ausgeschnitten.9.9.63
raja-yoga, in einem etwas weiter gefassten sinn, ist ein geistiges yoga, eine form geistiger disziplin, die dem einzelnen einen weg der bewusstseinsentwicklung, der höheren bewusstwerdung, aufweist und dies ohne die möglichkeit, verantwortung - vor allem die für sich selbst zu delegieren, wie dies in fast allen "guru-traditionen" geschieht, auch den subtilsten. ich glaube, dass es dem mehrheitlich aus dem kosmischen lot geratenen menschen der herrschenden bewusstseinsformation vor allem anstünde, sich im tiefsten sinne selbst zu ergreifen oder, wie der romantische dichter novalis schreibt, "sich seines transzendenten selbstes zu bemächtigen". genau dies ist genuines "westliches yoga". asanas mögen dann zusätzlich praktiziert werden, essenziell sind sie nicht. möglich sogar, dass sie "stören" oder ablenken. gerade im hatha-yoga liegt auch die gefahr eines subtilen materialismus, einer körperbezogenheit, die das physisch-sinnliche nicht überschreitet, sondern gerade festzurrt, also das gegenteil von dem erreicht, was idealiter angestrebt wird.
letztlich können wir der frage nicht ausweichen, worum es überhaupt geht in der menschlichen existenz, was es auf sich hat mit dem menschen generell und dem einzelnen. dieser einzelne ist im kern auf sich selbst zurückgeworfen, kann sich nie entgehen (und darf sich auch nicht entgehen). jeder tod ist einzeln und individuell. täusche dich nicht darüber! ich glaube das jede spielart des spirituellen kollektivismus auf selbstbetrug und selbstverrat hinausläuft. gerade das selbst, so verhöhnt und missbraucht, bedarf der stärkung: über das vertiefte ich zum ich. über das kleine zum großen ich. dies ist der weg des "königlichen yoga", wie ich ihn verstehe.
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