Fragmentale Kopfgeburten

Zettelladen eines Zeitverdichters. Im Streubereich der Wahrheit.  
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glauben

 

ausgeschnitten.9.9.52

nehmen wir richard serra. man ist naturgemäß in der mitte einer serra-skulptur, wenn man eine betrachtet. es ist aber gewiss nicht sein wunsch, daß man seine skulptur in irgendeiner weise benutzt. sie soll nicht teil der alltagswelt sein, sondern etwas entrücktes, religiöses darstellen. man soll ehrfurcht empfinden. und wer eingeschüchtert ist, ist auch schnell mit dem glauben dabei. denn da ist ja offensichtlich etwas über dir, das viel größer ist als du selbst. ich liebe viele von serras skulpturen. ich würde mir nur wünschen, dass ich, sobald ich innen angekommen bin, nicht bloß gott sehen muß, sondern zum beispiel etwas essen könnte, etwa an einem hotdog-stand.  

vito acconci in "monopol" 4/2008

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ausgeschnitten.9.9.46

gabriele wohmann: ... das schlimme ist ja das existieren als solches. dem einen gelingt's besser, dem anderen schlechter und dem anderen überhaupt nicht - eben wegen des beunruhigenden endes, unserer vergänglichkeit. ohne glauben würde ich nichts machen, aber auch ohne dieses beunruhigende unserer existenz. das ist ein antrieb gegen die vergänglichkeit - obwohl ich ja eigentlich längst soweit bin, mich übers vergehen zu freuen. man kann diesen alltag nicht ewig so weitermachen. es muss irgendwann einmal etwas passieren - das schöne. wann kommt das schöne nun?, fragt der bariton in der bach-kantate.
georg magirius: es taucht manchmal im alltag auf.
gabriele wohmann: es gibt so etwas wie vorgeschmack. möglichst jeden tag ein bisschen - in kleinigkeiten gibt es einen vorgeschmack.
georg magirius: und es ist auch eine art heimweh?
gabriele wohmann: genau das.

gabriele wohmann in "publik-forum" nr. 3 / 13. februar 2009

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