ausgeschnitten.9.9.55
sie beschreiben sehr ausführlich tiefpunkte im unterhaltungsfernsehen. was sagen sie zu dem satz: das publikum bekommt das fernsehen, das es will?
den satz hört man oft, aber er ist fast ebenso zynisch wie das fernsehen, das aus einer solchen haltung resultiert. wir wissen schlichtweg nicht, wie das publikum auf ein fernsehen reagierte, das verstärkt den geist anspräche und nicht nur den unterleib, ein fernsehen, das in seinem publikum keinen konsumenten sähe, den es misstrauisch zu unterjochen gilt, sondern einen partner, dem man mit einem vertrauensvorschuss begegnet, weil man ihm zutraut, dass seine konzentration länger anhält als 30 sekunden und dass seine neugier die strecke zwischen zwei werbepausen überdauert. ein solches fernsehen, von dem ich manchmal träume, kann man derzeit fast nirgends erleben. insofern würde ich den satz umkehren: das fernsehen züchtet sich jenes publikum heran, das es braucht, um tüchtig an ihm zu verdienen.
Comments [0]