Fragmentale Kopfgeburten

Zettelladen eines Zeitverdichters. Im Streubereich der Wahrheit.  
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kunst

 

ausgeschnitten.9.9.64

in mancher hinsicht kann man kunst definieren als vom menschen hergestellte objekte, deren hauptzweck es ist, auf sich selbst aufmerksam zu machen, und deren größter wert in den sinnlichen reaktionen liegt, die sie provozieren, evozieren oder verweigern. wirklich große kunst dient letztlich ebensowenig wie große musik einem zweck.

john perreault: bemerkungen und anmerkungen zur zeitgenössischen kunst, aus "acid" - herausgegeben von rolf dieter brinkmann und ralf-rainer rygulla

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ausgeschnitten.9.9.58

gerard malanga: wenn sie unglücklich sind, sollten sie dafür bezahlt werden?
andy warhol: ja.
gerard malanga: wer sollte nicht bezahlt werden?
andy warhol: talentierte leute.
gerard malanga: warum?
andy warhol: weil sie alles so leicht schaffen.

interview mit andy warhol, aus "acid" - herausgegeben von rolf dieter brinkmann und ralf-rainer rygulla

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ausgeschnitten.9.9.54

wirkliche künstler erkennt man nicht an der perfekten technischen darbietung, sondern am ausdruck, der ausstrahlung, die durch den umgang mit den pausen heranreift. künstler sprechen durch die pause, die mitnichten nichts ist, sondern geballte energie. In der aufbauphase der professionalität stehen handwerk, technik und vituosität im vordergrund. aber dann entdecken musiker, schauspieler oder tänzer die pause als wichtigstes gestaltungselement im fluss der klänge, worte oder bewegungen. musikwerke, poesie und choreografie sind dann kunstwerke, wenn sie die natürliche pulsation von 75% aktivem geschehen und 25% passivität, also pausen aufweisen. natürlich ist das nicht linear zu sehen, sondern in der verteilung von ruhepolen im gesamtgeschehen des kunstwerkes.  

rosina sonnenschmidt in "lachesis" nr. 37 / Dezember 2008

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ausgeschnitten.9.9.52

nehmen wir richard serra. man ist naturgemäß in der mitte einer serra-skulptur, wenn man eine betrachtet. es ist aber gewiss nicht sein wunsch, daß man seine skulptur in irgendeiner weise benutzt. sie soll nicht teil der alltagswelt sein, sondern etwas entrücktes, religiöses darstellen. man soll ehrfurcht empfinden. und wer eingeschüchtert ist, ist auch schnell mit dem glauben dabei. denn da ist ja offensichtlich etwas über dir, das viel größer ist als du selbst. ich liebe viele von serras skulpturen. ich würde mir nur wünschen, dass ich, sobald ich innen angekommen bin, nicht bloß gott sehen muß, sondern zum beispiel etwas essen könnte, etwa an einem hotdog-stand.  

vito acconci in "monopol" 4/2008

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ausgeschnitten.9.9.51

heute höre ich eher japanischen noise, vocal music bedeutet mir nicht mehr viel. ich finde jetzt musik gut, die einen umgibt, aber nicht direkt anspricht. wie architektur. sie ist um einen herum, aber du kannst etwas anderes dabei machen. 

vito acconci in "monopol" 4/2008

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ausgeschnitten.9.9.50

es kommt mir heute fast so vor, als wäre kunst eine art von religion. du musst glauben, was man dir erzählt. manchmal frage ich mich, ob kunst die menschen absichtlich zu untertanen macht. ob kunst sich nicht absichtlich mit einem mythos umgibt, damit sie weniger in frage gestellt und für die menschen noch wertvoller wird. auch im kommerziellen sinn.

vito acconci in "monopol" 4/2008

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ausgeschnitten.9.9.49

wie reagierten ihre mitstreiter aus der kunst, als sie museen und galerien den rücken kehrten?
sie gaben mir das gefühl, ein verräter zu sein. diese menschen glorifizieren die kunst. sie denken, design und architektur seien niedere disziplinen, weil sie sich mit dem alltagsleben befassen. doch genau das hat mich schon immer interessiert - auch in der kunst.
sie hätten aber auch auf beiden gebieten arbeiten können. warum der bruch?
ich habe mich mit kunst immer unwohl gefühlt. welche veränderungen die menschen, meine person eingeschlossen, dort auch immer geschaffen haben - die kunst bleibt eine visuelle angelegenheit. ich wollte etwas dagegensetzen: beteiligung, anteilnahme, sogar bewohnbarkeit. es gibt zwar viele ausnahmen, aber es ist doch nach wie vor so: hier der betrachter, da das kunstwerk. so entsteht ein zustand unerfüllten begehrens und dadurch frustration.

vito acconci in "monopol" 4/2008

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ausgeschnitten.9.9.44

wer eigentlich dieser robert lebeck sei, hat georg stefan troller einmal gefragt. ganz bestimmt: einer der bedeutendsten pressefotografen des 20. jahrhunderts. ein profi, der gezeigt hat, dass guter bildjournalismus weniger, mit technik zu tun hat als mit einer haltung.

hans-michael koetzle in "schwarzweiss 68" februar / märz 2009

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ausgeschnitten.9.9.29

irgendwann ist sie weg, diese unglaubliche naivität und unschuld, mit der ohne gnade alles mögliche gemacht wird. das ist halt punk. musik machen? kann jeder! kunst machen? scheiß der hund drauf, kann jeder!

sven regener in "galore" september 2008

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ausgeschnitten.9.9.24

das geistige und konzeptionelle befassen mit einem thema dauert meist ziemlich lange und durch die länge des zeitraums bekomme ich intuitiv die sicherheit über die relevanz des themas. ich muß dabei aber aufpassen, daß ich nicht den richtigen zeitpunkt verpasse, wo das ganze zu kopflastig wird. deshalb muß die gestaltung und produktion sehr schnell vonstatten gehen, damit eine gewisse subversive kraft, rohheit, direktheit, radikalität erhalten bleibt.

 alexander egger in "die nacht" #3 / 04.2008

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