Fragmentale Kopfgeburten

Zettelladen eines Zeitverdichters. Im Streubereich der Wahrheit.  
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musik

 

ausgeschnitten.9.9.64

in mancher hinsicht kann man kunst definieren als vom menschen hergestellte objekte, deren hauptzweck es ist, auf sich selbst aufmerksam zu machen, und deren größter wert in den sinnlichen reaktionen liegt, die sie provozieren, evozieren oder verweigern. wirklich große kunst dient letztlich ebensowenig wie große musik einem zweck.

john perreault: bemerkungen und anmerkungen zur zeitgenössischen kunst, aus "acid" - herausgegeben von rolf dieter brinkmann und ralf-rainer rygulla

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ausgeschnitten.9.9.54

wirkliche künstler erkennt man nicht an der perfekten technischen darbietung, sondern am ausdruck, der ausstrahlung, die durch den umgang mit den pausen heranreift. künstler sprechen durch die pause, die mitnichten nichts ist, sondern geballte energie. In der aufbauphase der professionalität stehen handwerk, technik und vituosität im vordergrund. aber dann entdecken musiker, schauspieler oder tänzer die pause als wichtigstes gestaltungselement im fluss der klänge, worte oder bewegungen. musikwerke, poesie und choreografie sind dann kunstwerke, wenn sie die natürliche pulsation von 75% aktivem geschehen und 25% passivität, also pausen aufweisen. natürlich ist das nicht linear zu sehen, sondern in der verteilung von ruhepolen im gesamtgeschehen des kunstwerkes.  

rosina sonnenschmidt in "lachesis" nr. 37 / Dezember 2008

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ausgeschnitten.9.9.51

heute höre ich eher japanischen noise, vocal music bedeutet mir nicht mehr viel. ich finde jetzt musik gut, die einen umgibt, aber nicht direkt anspricht. wie architektur. sie ist um einen herum, aber du kannst etwas anderes dabei machen. 

vito acconci in "monopol" 4/2008

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ausgeschnitten.9.9.33

man hat die familie aufgelöst, die geschlechterrollen aufgelöst - aber man hat sie durch nichts neues ersetzt. dann wird eine frau aber 40, möchte dann noch ein kind und muß sich fragen: worauf greife ich zurück? doch wohl nur auf die persönliche neurose, weil man sich über lange jahre in einen raum begeben hat, der keinen halt mehr gibt. etwas ähnliches passiert mit der musik: durch das digitale löst sich alles auf, und wir schauen ratlos zu.

uwe schmidt in "galore" september 2008

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ausgeschnitten.9.9.29

irgendwann ist sie weg, diese unglaubliche naivität und unschuld, mit der ohne gnade alles mögliche gemacht wird. das ist halt punk. musik machen? kann jeder! kunst machen? scheiß der hund drauf, kann jeder!

sven regener in "galore" september 2008

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ausgeschnitten.9.8

der jazz verweiblicht zusehends. er besetzt die spa-hotels, räkelt sich in kuschligen kaschmir-pullovern und durchspült die charts als milchgeschäumte schmuse-compilation. früher war jazz herausforderung, innovation, risiko und kraftakt. der "female jazz" von heute erinnert an eine heimstrickarbeit, an eine kreative freizeittherapie, den groove einer müttergruppe.

rainer wein in "jazz zeitung" 3-08

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ausgeschnitten.9.7

beat: was macht für dich den reiz von vintage-instrumenten aus?
dirk: es ist die kombination aus haptik, limitierten möglichkeiten und das gefühl, alles sofort kontrollieren zu können - zusätzlich zum klang natürlich. die damalige wärme und ungenauigkeit im sound sind einfach nicht zu imitieren.

dirk krause, kopf des duos dkdent in "beat" 01/2009

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ausgeschnitten.9.6

die sarkastische dekadenz dieser musik beeindruckte uns wie schon lange nichts mehr. sie drückte genau die stimmung aus, die uns alle ergriffen hatte: eine nostalgische wehmut über verlorene illusionen und eine krankhafte freude an den trümmern, die nun zum glitzernden showbusiness aufpoliert wurden.

über david bowies "ziggy stardust"

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ausgeschnitten.9.5

das tut sie leider doch,  all die weil in allen landen eine ideologie grassiert, die unterentwickeltes hörvermögen zum maßstab ausruft.

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ausgeschnitten.9.4

das in den sechziger jahren so wichtige leitmedium "musik" hat sich mittlerweile in ein lightmedium verwandelt. beliebigkeit ist trumpf. aus dem raren rohstoff musik ist eine allgegenwärtige, nichtssagende soundtapete geworden.

adrian wolfen in "jazzthetik" 10/2007

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