Fragmentale Kopfgeburten

Zettelladen eines Zeitverdichters. Im Streubereich der Wahrheit.  
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performanceart

 

ausgeschnitten.9.9.52

nehmen wir richard serra. man ist naturgemäß in der mitte einer serra-skulptur, wenn man eine betrachtet. es ist aber gewiss nicht sein wunsch, daß man seine skulptur in irgendeiner weise benutzt. sie soll nicht teil der alltagswelt sein, sondern etwas entrücktes, religiöses darstellen. man soll ehrfurcht empfinden. und wer eingeschüchtert ist, ist auch schnell mit dem glauben dabei. denn da ist ja offensichtlich etwas über dir, das viel größer ist als du selbst. ich liebe viele von serras skulpturen. ich würde mir nur wünschen, dass ich, sobald ich innen angekommen bin, nicht bloß gott sehen muß, sondern zum beispiel etwas essen könnte, etwa an einem hotdog-stand.  

vito acconci in "monopol" 4/2008

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ausgeschnitten.9.9.51

heute höre ich eher japanischen noise, vocal music bedeutet mir nicht mehr viel. ich finde jetzt musik gut, die einen umgibt, aber nicht direkt anspricht. wie architektur. sie ist um einen herum, aber du kannst etwas anderes dabei machen. 

vito acconci in "monopol" 4/2008

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ausgeschnitten.9.9.50

es kommt mir heute fast so vor, als wäre kunst eine art von religion. du musst glauben, was man dir erzählt. manchmal frage ich mich, ob kunst die menschen absichtlich zu untertanen macht. ob kunst sich nicht absichtlich mit einem mythos umgibt, damit sie weniger in frage gestellt und für die menschen noch wertvoller wird. auch im kommerziellen sinn.

vito acconci in "monopol" 4/2008

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ausgeschnitten.9.9.49

wie reagierten ihre mitstreiter aus der kunst, als sie museen und galerien den rücken kehrten?
sie gaben mir das gefühl, ein verräter zu sein. diese menschen glorifizieren die kunst. sie denken, design und architektur seien niedere disziplinen, weil sie sich mit dem alltagsleben befassen. doch genau das hat mich schon immer interessiert - auch in der kunst.
sie hätten aber auch auf beiden gebieten arbeiten können. warum der bruch?
ich habe mich mit kunst immer unwohl gefühlt. welche veränderungen die menschen, meine person eingeschlossen, dort auch immer geschaffen haben - die kunst bleibt eine visuelle angelegenheit. ich wollte etwas dagegensetzen: beteiligung, anteilnahme, sogar bewohnbarkeit. es gibt zwar viele ausnahmen, aber es ist doch nach wie vor so: hier der betrachter, da das kunstwerk. so entsteht ein zustand unerfüllten begehrens und dadurch frustration.

vito acconci in "monopol" 4/2008

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