Fragmentale Kopfgeburten

Zettelladen eines Zeitverdichters. Im Streubereich der Wahrheit.  
Filed under

schule

 

ausgeschnitten.9.9.39

... doch da wissenschaftler sich nun anschicken, menschen zu klonen und die fortpflanzung ebenso abhängig wird von sex wie der sex von der fortpflanzung, wird es in zunehmendem maße schwerer, huxleys vision als zu weit hergeholt anzusehen. in "schöne neue welt" wird eine sexualordung beschrieben, die immer mehr unserer gegenwärtigen ähnelt. so muß ein kleiner nicht einmal zehnjähriger junge zum psychologen, weil er nicht wie von seinen lehrern verlangt bei erotischen spielchen mit einem kleinen mädchen mitmachen möchte. einen solchen zustand haben wir vielleicht bald tatsächlich erreicht. die sexualerziehung an den schulen beginnt nicht nur immer früher, sondern auch die druckerzeugnisse, filme und fernsehprogramme für die jüngsten bekommen einen immer erotischeren anstrich. früher begleitete ein schuldgefühl die ersten sexuellen erfahrungen der jungen leute. heute dagegen zieht ein mangel an solchen erfahrungen beschämumg nach sich.

theodore dalrymple in "eigentümlich frei" februar 2009

Loading mentions Retweet
Filed under  //   aldous huxley   anthony daniels   edward theberton   eigentümlich frei   fortpflanzung   kinder   klonen   medien   schule   sex   sexualaufklärung   sexualerziehung   theodore dalrymple  

Comments [0]

ausgeschnitten.9.9.37

es gibt keine bildung ohne inhalte. wir brauchen deshalb wieder ein primat der inhalte vor den methoden. die blanke forderung nach einer inhaltsleeren vermittlung von kompetenzen kommt dem vorschlag gleich, ohne zutaten zu kochen, wie es konrad p. liessmann in seiner theorie der unbildung von 2006 beschrieb. es ist also eine renaissance des konkreten wissens notwendig. nach einer langen phase der egalisierung der inhalte und der entkanonisierung schulischer bildung sind in so manchen deutschen ländern dreißig jahre inhaltlichen vakuums neu zu befüllen. ... es reicht nicht zu wissen, wo man etwas nachschlagen bzw. wie man bei google oder wikipedia - zumal manchmal falsche - "wissens"-wegwerf-häppchen "herunterladen" kann. natürlich ist es wichtig zu wissen, wo man etwas findet. deshalb ist es wichtig, jungen leuten beizubringen, wo man was nachlesen kann. ansonsten: man stelle sich eine politische, naturwissenschaftliche oder ökonomische live-debatte vor, in der auch nur drei debattenpartner zwar wissen, wo man was findet, in der diese drei aber ständig zum bücherregal rennen oder sich ins internet einklinken, um fakten und argumente zu suchen. eine solche download-gesellschaft mit just-in-time-wissen wäre eine gesellschaft ohne vorrat, eine gesellschaft der minikommunikation. apropos "nachschlagen": im lexikon oder im internet "nachschlagen" kann nur der, der richtig zu  fragen weiß. richtig zu fragen weiß aber nur der, der bereits eine wissensbasis hat. ... wenn es keine arroganz der macht geben soll, dann darf es auch keine arroganz des wissens geben. menschen mit wirklich großem wissen neigen zu bescheidenheit. denn die menschen sind sich bewusst: je mehr ich weiß, desto mehr weiß ich, dass ich wenig weiß. das haben bereits die römer erkannt: quo sapientior, eo modestior (je weiser einer ist, desto bescheidener wird er). und schließlich hat wissen - sprachgeschichtlich - mit "witz" zu tun. man kann zwar mit wissen brillieren, aber man kann noch mehr brillieren, wenn man das mit witz und mit einem schuss selbstironie tut. dann erst ist man wirklich souverän.

josef kraus in "novo argumente" nr. 97 / 11-12 2008

Loading mentions Retweet
Filed under  //   bildung   gesellschaft   Google   kommunikation   konrad paul liessmann   lexikon   novo argumente   schule   wikipedia   wissen  

Comments [0]